Thursday, May 18, 2017

Rezension "Neue Quellenedition zum Egerland und seinen Onymen"

GfN

Tomáš Klír et al., Knihy chebské zemské berně z let 1438 a 1456 [Landsteuerbücher zum Egerland aus den Jahren 1438 und 1456] (= Libri Civitatis X), Praha - Ústí nad Labem 2016, 712 S. (mit ausführlicher deutscher Zusammenfassung)

Neue Quellenedition zum Egerland und seinen Onymen

Rezensiert von Karlheinz Hengst, Chemnitz
Der promovierte Archäologe, Geschichts- und Namenforscher Tomaš Klír von der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität in Prag hat zwei reichhaltige Quellen mit ausführlichen Erläuterungen und Registern für die Forschung bereitgestellt. Beide Quellen aus den Jahren 1438 und 1456 wurden in Eger/Cheb in deutscher Sprache abgefasst und sind so nun auch ungekürzt im Druck erschienen. Gleich vorangestellt ist eine Karte zur Orientierung über das Einzugsgebiet nach einem Steuerregister von 1392. Eine deutsche Zusammenfassung (S. 683-708) bringt eine alle wesentlichen Aspekte des Inhalts erläuternde Einführung.

Der umfangreiche Band ist gut gegliedert und zeigt einen dreiteiligen Aufbau mit Gliederung in Einführung, Quellenedition incl. Registern und Bildteil.In eine tschechisch geschriebene Einführung (10-183) zu geschichtlichen und rechtlichen Gesichtspunkten (10-118) hat der verantwortliche Editor Tomáš Klír auch sprachgeschichtliche Beobachtungen (119-123) einbezogen. Sie wurden von dem in München tätigen und weithin bekannten Namenforscher Wolfgang Janka verfasst. Sie sind durch drucktechnische Hervorhebungen und deutsches Beispielmaterial auch ohne tschechische Sprachkenntnisse gut nutzbar. Die danach folgenden Übersichten (187-264) geben zu erkennen, dass die erfassten und einzeln aufgeführten Orte vom Vogtland bis nach Bayern (Raum Tirschenreuth und Wunsiedel) reichen. Ein Verzeichnis von Quellen und Literatur bietet überwiegend deutsche Titel (265-282). Es lohnt sich, auch die Anlagen im Teil Einführung (Úvod) einzusehen. So bieten z.B. auf S. 235/236 die Kolumnen mit Namen von Besitzern in Gaßnitz aus den Jahren 1424, 1438 und 1456 nebeneinander Formen wie Merckel, Krügelssteyn / Krügelstein / KrügelStain, Peheim / Elbel Behem / Hanns Behem. Und S. 243-255 führt T. Klír Auszüge aus älteren Zinsregistern von 1392 bis ins 15. Jahrhundert mit kompletten deutschen Textzitaten an, in denen besonders häufig Cla-/Clostewr für Klauensteuer vorkommt.
Die Edition der beiden Quellen (284-532) ist leicht benutzbar, da die Orte in alphabetischer Anordnung zusätzlich im Druck hervorgehoben sind und das Nachschlagen so sehr erleichtert wird. Die ON und PN (Vor- und Familiennamen) sowie die weiteren Angaben im Text sind sämtlich Zeugnisse des Deutschen im Egerland aus dem 15. Jahrhundert. Das Steuerverzeichnis von 1438 mit insgesamt 94 Blättern im Original (284-423) gelangt mit einem Kommentar in deutscher Sprache aus dem Jahr 1769 (424-436) ungekürzt zum Abdruck. Der Kommentar enthält sogar im Faksimiledruck handschriftliche Textstellen und dazu Erläuterungen. Mehrere Register (ab S. 533) erschließen den gesamten vorangehenden Text nach ON, PN und Sachbegriffen. Selbst das Register zum tschechischen Einführungsteil (533-554) ist durch den Fettdruck der Eigennamen für den deutschen Benutzer hilfreich und ermöglicht z.B. einen leichten Zugriff auf Vergleichsnamen wie etwa den ON Borschengrün und die PN Bor sowie Boreš (hejtman 1372-1378) als Parallelen zu dem nur im 16. Jahrhundert ganz spärlich belegten westsächsischen ON Borsendorf.
Die Benutzbarkeit durch deutsche Interessenten wird besonders erleichtert durch drei weitere sehr detaillierte zweispaltige Register a) der ON in den Editionen (555-567), b) der PN in den Editionen (568-588) und c) der vorkommenden Sachbegriffe von Abschrift, Abt, Acker bis Zehrung, Ziege, Zins (589-611). Daran anschließend dienen 57 Beilagen der Veranschaulichung. Es handelt sich um 5 Karten und 52 Faksimiles (614-666). Ein alphabetisches Verzeichnis der ON aller erwähnten Orte mit Lokalisierung und die heutigen tschechischen Namenformen (S. 673-682) leiten dann zur deutschsprachigen Zusammenfassung über. Die sehr gute Kenntnis des Deutschen und gewissenhafte Bearbeitung durch den seit Jahren vielseitig ausgewiesenen und akribisch forschenden jungen Wissenschaftler Tomáš Klír ist der Quellenedition recht förderlich gewesen. Dazu hat er wirksame Unterstützung erhalten durch die Mitarbeit von Hana Pátková, Inhaberin des Lehrstuhls für Historische Hilfswissenschaften und Archivstudien an der Karls-Universität in Prag. In die erfolgreiche Editionsarbeit einbezogen waren ferner der Slavist Wolfgang Janka als Sprachhistoriker aus München sowie Magister Martin Hůrka und Magistra Dana Vodáková aus Prag. Der in Ganzleinen gebundene Band mit einem sehr ansprechenden Schutzumschlag ist vom Verlag SCRIPTORIUM vorzüglich gestaltet worden. Das nun der internationalen Öffentlichkeit zur Nutzung verfügbar gemachte deutschsprachige Quellenwerk aus dem 15. Jahrhundert ist besonders der deutschen Sprach- und Namenforschung zu empfehlen.
Empfohlene Zitierweise: Karlheinz Hengst: Rezension zu: Tomáš Klír et al., Knihy chebské zemské berně z let 1438 a 1456 [Landsteuerbücher zum Egerland aus den Jahren 1438 und 1456]. In: Omomastikblog 16.5.2017, URL: http://www.onomastikblog.de/ergebnisse/dateFilter/2017/05/
 Dieser Blogartikel und das zugehörige PDF-Dokument sind lizenziert unter CC BY 3.0 DE.
Hier finden Sie die Druckversion der Rezension als Pdf.
Die Verlagsankündigung für das rezensierte Werk finden Sie hier.